Sonntag, 1. April 2012

Den ganzen Tag

Man darf nicht auf die Strasse. Man darf nicht an den Strand. Alle Restaurants und Läden sind geschlossen. Den ganzen Tag. Keine Auto oder Motorräder sind zu sehen oder zu hören. Man muss zwingend zuhause oder im Hotel bleiben. Den ganzen Tag. Dort sollte man abends jedoch auch kein Licht machen. Und keinen Lärm. Und schon gar nicht arbeiten oder sich vergnügen. Den ganzen Tag. Es starten und landen keine Flugzeuge, der Flughafen ist geschlossen. Es fahren auch keine Busse. Und im Fernseher flimmerts nur, weil man keine Sender empfangen kann. Den ganzen Tag.
Eine Situation, wie sie wohl in nahezu allen Ländern der Welt undenkbar wäre. Nicht jedoch in Bali. Hier steht das Leben einmal im Jahr einen Tag lang still. Egal wie viele Touristen sich auf der Insel befinden (und es sind viele), egal wie viele Einnahmen dem einfachen Souvenirverkäufer oder der grossen Airline entgehen. Dieser spezielle Tag nennt sich Nyepi oder „Silent Day“.
Die Balinesen feiern damit ihr Neujahr und Nutzen den Tag zur Selbstreflexion und zur Huldigung der Götter. Alles, was diesem Zweck in den Weg kommen könnte, muss verhindert werden. Daher ist es während des ganzen „Silent Day‘s“ verboten, sich im Freien aufzuhalten oder die Götter durch irgendwelchen Lärm zu stören. Und wenn sich wie dieses Jahr ein paar unentwegte Touristen trotzdem aufs Surfbrett wagen oder versuchen, die leeren Strassen für eine gemütliche Velofahrt zu nutzen, dann werden sie unter Polizeigeleit in ihr Hotel zurückverfrachtet. Andere Länder, andere (oft spannende) Sitten. Wir haben diese respektiert und planschten anständig und gehorsam im Hotel-Pool. Den ganzen Tag.
Dank den zahlreichen Touristen-Dollar-Noten, die jedes Jahr auf Bali rieseln, schiessen grosse Hotelkomplexe und weitläufige Bungalow-Resorts wie Pilze aus dem Boden. Auch die Strassen werden immer breiter und in abgelegene Gebiete verlängert. Diese Tatsache machten wir uns zu Nutze und mieteten zusammen mit Ruth und Walti zwei Töff, mit denen wir die Insel erkunden konnten. (Walti hat sich während den Taxi-Fahrten immer amüsiert, wie die Töffs unser Auto mit halsbrecherischen Manövern bei jeder erdenklichen Verkehrslage überholten und hinter jeder Hausecke ein neues zweirädriges Gefährt angebraust kam. Jetzt war er mal selber einer von denen.) Ein super schöner Ausflugstag mit Wind in den Haaren und Düften in der Nase. Wäre da nur nicht der Polizist gewesen, der einen Blick auf unsere internationalen Fahrausweise werfen wollte…
Schon seit wir den ersten Fuss auf Sumatra setzten, haben wir Indonesien ins Herz geschlossen. Die Bevölkerung hier ist sehr herzlich und offen und bei Gesprächen mit ihnen schwingt immer eine Prise Humor mit. Der typische männliche Indonesier (in der Zivilisation) hat lange Haare, ein Geissbärtchen, hört am liebsten AC/DC oder irgendwelche Rock-Schnulzen von den Scorpions und hat tagein tagaus eine Zigarette im Mundwinkel. Hier gehen die im Tourismus arbeitenden Einwohner auch viel mehr auf die Bedürfnisse von Touristen und Reisenden ein als in anderen Ländern, was in unzähligen gemütlichen Restaurants und interessanten Freizeitangeboten resultiert. Ein Grund, warum die Indonesier alles besser machen ist wohl, dass sie an vielen Orten im Land bereits erlebt haben, wie es ist, wenn die „Ausländer“ plötzlich nicht mehr kommen. So geschehen nach dem verheerenden Bombenanschlag in Bali im 2002 oder nach ab und zu aufflammenden gewalttätigen Protesten in Jakarta.  Einige Regionen, z.B. Lake Toba auf Sumatra, haben heute nur noch einen Bruchteil der Besucherzahlen von Ende der 90er Jahre, weil der Touristenstrom sich nun auf andere Orte fokussiert oder ganz versiegt ist. So wissen die Leute hier, dass Bleichgesichter mit Sonnenbrand, Kamera um den Hals, und vielen farbigen Nötchen im Portmonee nicht ein selbstverständliches Bild sind.
Nach dem Abschied von Ruth und Walti machten wir uns auf, um trotz unserer alten Reisetage eine neue Aktivität auszuprobieren und zu erleben. Wir landeten auf Gili Air, ein Paradies auf Erden mit weissen Stränden. Die einzigen Verkehrsmittel auf der Insel sind Velos und Pferdekutschen (die Vorzüge davon wissen wir mittlerweile zu schätzen). Umringt ist die Insel von farbenprächtigen Korallenriffen mit Fischen und Meeresgetier in Formen und Aussehen, als kämen sie von einem anderen Stern. Nebenbei kreuzen sich noch die obligaten Schildkröten, Rochen und Feuerfische die Wege. Warum wir das wissen? Genau, wir haben mit Tauchen begonnen und können im Moment nicht mehr aufhören. Die für uns neue Unterwasserwelt ist so faszinierend, dass wir nun aufpassen müssen, nicht unser gesamtes Reisebudget für Dutzende von Tauchgängen zu verprassen. Wir kämpfen… und tauchen immer noch.


Bunte balinesische Folklore

Bali bietet nicht nur Strände, sondern auch imposante Reisterrassen

Ferien in der Regenzeit können ganz amüsant sein…

R&R machten Bali’s Strassen unsicher

Wo Vulkane sind, sind auch schwarze Strände

Figur des Nyepi-Festivals

Walti on the road

We bridge (und verpesten) the nation

Unser geliebtes Tauchboot wartet brav auf uns…

Finde Roger…

Auch teure Hobbies machen Spass (wer hätte das gedacht)






Sonntag, 18. März 2012

Wenn Abenteuer nach faulen Eiern stinkt…


In unseren Blogeinträgen haben wir schon oft Kolonialmächte angesprochen, die in Asien durch kürzere und längere Herrschaften ihre Spuren hinterlassen haben. Dabei sind die üblichen Verdächtigen immer dieselben ehemaligen Seemachts-Nationen wie Grossbritannien, Portugal oder Frankreich. Nun ratet mal, wer sich seit dem frühen 17. Jahrhundert bis 1949 das nicht wirklich kleine Indonesien unter den Nagel gerissen hat? Ein (alles verratender) Tipp: Indonesien trägt seinen heutigen Namen noch nicht lange, früher wurde es „Niederländisch-Indien“ genannt. Richtig, die Holländer!  Das tulpenzüchtende, oranje-tragende, camperfreudige Volk der Holländer hat hier mehrere hundert Jahre seine Wohnwagen aufgestellt und die vielen Inseln und Völker Indonesiens mit harter Hand regiert. Viele Wörter der Nationalsprache „Bahasa Indonesia“ wurden aus dem Holländischen abgewandelt und auch sonst sind heute noch niederländische Vermächtnisse, vor allem bei älteren Gebäuden und Verkehrsinfrastruktur, sichtbar. Holzzoggeli, Edamer oder Pommes Frites mit Mayonnaise wurden wie’s aussieht jedoch wieder verbannt.
Nach dem Regenwald in Sumatra und ein paar Tagen ausspannen am Lake Toba folgte ein weiteres indonesisches Highlight: das Besteigen eines noch aktiven Vulkans. Ein ziemlich stinkiges Erlebnis, muss man sagen. Am Kraterrand zischte überall heisser Schwefeldampf zwischen den Steinen hervor und der beissende Geruch von faulen Eiern haftete noch tagelang an unseren Kleidern. Am höchsten Punkt der Wanderung wurden wir von einem Gewitter überrascht, das uns den ganzen Abstieg wie ein zahmes Hündchen begleitete, bis wir Zuflucht in einer schwefelhaltigen heissen Quelle fanden. Melanie war so begeistert vom entspannenden Bad, dass sie sich ungewollter weise ein bleibendes Andenken besorgte: ihr Silberkette ist seither schwarz.
Wenn wir gerade von Highlights sprechen: Auf der Insel Java mit dem Flugzeug angeflogen kam ein Highlight, dass die Schweiz zu bieten hat: unsere (Schwieger-)Eltern Ruth und Walti. Mit ihnen reisen wir zwei Wochen lang durch Java und Bali und dürfen richtig schönen Beach-Resort-Luxus geniessen. Aber es ist gar nicht so, dass wir nur auf der faulen Haut rumliegen. In Yogyakarta machten wir eine Velotour durch die umliegenden Dörfer und besuchten das lokale Gewerbe, von der Backsteinfabrik bis zum Soja-Snack-Produzenten. Auffallend ist, wie jedes Dorf über seine eigenen strikten Regeln verfügt und der Tagesablauf vom Dorfoberhaupt ziemlich rigide vorgeschrieben wird. Der „Dorfkönig“  wird alle vier Jahre von den Einwohnern gewählt und darf dann während seiner Regierungszeit in ein edles Haus einziehen. Im einen Dorf, das wir besuchten, gibt es z.B. die Regel, dass man sich ab 21 Uhr nur noch in den eigenen vier Wänden aufhalten darf. Und wenn ein junger Mann zu später Stunde im Haus einer jungen Frau vorgefunden wird, dann muss er sie auf Geheiss des Dorfoberhaupts heiraten. Da muss man sich seine Abendbesuche sorgfältig auswählen…
Am 15. März wurde Melanie 30 Jahre alt und erlebte einen Tag mit vielen schönen Überraschungen. Morgens um halb vier mussten wir uns bereits aus dem warmen Bett schälen und machten uns auf zum Vulkan Bromo und seinen Kumpanen. Der Bromo ist natürlich auch noch aktiv. Wenn schon, denn schon, nichts halbpatziges, alles andere wäre einem Geburtstag nicht gerecht geworden. Nach bestaunen einer dichten Sonnenaufgangs-Wolkenwand und dem windigen Erklimmen des Kraterrands konnten wir ins friedlich vor sich hin paffende Kraterloch schauen. Dank heftigem Wind sogar ganz frei von Faulen-Eier-Beigestank. Anschliessend gings mit dem „Gschänkli-Bus“  (in dem das Rätsel gelöst wurde, warum Ruth und Walti einen so voluminösen Koffer mit sich schleppen mussten) zur nächsten Destination, wo’s unterwegs den obligaten Geburtstagskuchen und am Abend einen gespritzten Weissen gab. Ein gelungener Tag für die beste Melanie, die es gibt. 

30 Jahre Melanie - Reich beschenkt im "Gschänklibus"

In der Schweiz ein ferngesteuertes Auto, in Sumatra ein "Güggel" - der Stolz jedes Knaben

So sieht's aus, wenn Roger beim Selbstauslöser getrödelt hat

Und wiedermal müssen wir für ein Interview der örtlichen Schüler hinhalten

Melanies Halskette wird dunkler und dunkler...

Was wir aus der Schweiz am meisten vermissten, haben Ruth und Walti mitgebracht: Zopf, Käse, den Tagi und Salami

Tempel Borobudur auf Java

Das aktuelle Reiseteam RoMeRuWa

Sie stahlen dem Tempel eindeutig die Show

Zum Glück posieren Schulkinder immer fürs Leben gerne

Ruth hilft bei der Reisernte mit

Backsteine, definitiv Handmade

Familie Späni bewundern die "Tempe"-Zubereitung

Vulkan Bromo mit Anhang

DAS nennt man aktiv

Queen Melanie liess ihre Coiffeuse aus der Schweiz einfliegen