„Love hurts“. Eine populäre Phrase in so manchem Love-Song,
die aber durchaus ihre Berechtigung hat. Roger musste das am eigenen Leib, oder
genauer Rücken und Gesäss, erfahren. Denn Melanie hatte schon während der
ganzen Asienreise einen immer wiederkehrenden Traum. In diesem Traum ritten wir
(mit Betonung auf WIR) auf Pferden durch die unglaublichen Weiten der Mongolei.
Und Träume sind ja bekanntlich zum Verwirklichen da. Dass Roger das
Pferdereiten nur aus Wild West – Filmen, den paar Tibet-Flussüberquerungen und
vom Pony-Reiten im Kinderzoo her kannte, schien nicht mal nebensächlich zu
sein.
Nachdem wir eine total gemütliche 1. Etappe mit der Transsibirischen Eisenbahn
von Peking nach Ulan-Bator in der Mongolei hinter uns hatten, ging‘s direkt mit
einem alten, sowjetischen Ambulanz-Büschen hinaus in die erträumten
unglaublichen Weiten. Da man die geteerten Fernstrassen der Mongolei immer noch
an einer Hand abzählen kann, war bereits diese 2-tägige Anfahrt eine holprige
Durchhalte-Übung für Stossdämpfer und Wirbelsäule zugleich. Ein Vorgeschmack
für Roger auf das, was noch kommen sollte. Die erste Nacht schliefen wir in
einer typischen mongolischen Jurte. Dieses Rundzelt ist für Nomaden und
Vorstadt-Bewohner noch heute erste Wahl und aus der hiesigen Kultur nicht
wegzudenken. Und dann galts bereits ernst. Bei einer Nomadenfamilie wurden
sechs Pferde für uns, unsere Tour-Gspändlinnen aus Südafrika und den Guide
ausgewählt, anschliessend eine kurze Einführung, wie man ein Pferd besteigt,
und ab die Post. Die vier Damen ritten mit wehenden Haaren der aufgehenden
Sonne entgegen und sahen auf ihren Pferden so oberprofessionell aus, als ob sie
ihr Leben lang nichts anderes gemacht hätten. Mit immer grösser werdendem
Abstand folgte ihnen der blutige Reit-Anfänger Roger. Von wehenden Haaren und
professioneller Haltung konnte bei ihm jedoch keine Rede sein. Was sich nach
fünf Tagen Non-Stopp-Reiten über Stock und Stein und Fluss und Gras unweigerlich
bei Rücken und Gesäss bemerkbar machte. Definitiv kein Vergleich zu Pony-Reiten
im Kinderzoo. Ach, was man für die Liebe nicht alles macht. Auch wenn‘s „hurt“.
Nichtsdestotrotz war der Pferde-Trek ein riesen Highlight. Wir ritten fünf Tage
lang durch nicht mehr enden wollende Steppe und unbewohnte Täler. Bei den
Nomaden-Familien durften wir örtliche Spezialitäten wie z.B. vergorene
Stutenmilch probieren (deren Alkoholgehalt sich jeweils stündlich erhöht). Und
unsere guten Seelen, der Guide und der Koch, mussten am Feuer eine ganze Nacht
lang Wache schieben, weil wir dummerweise in einem Berggebiet nächtigten, in
dem sich ein Wolfsrudel herumtrieb. Zudem durften wir auf den Pferden das ganze
Wetterspektrum von H (Hagel) über nochmals H (Hitze) bis S (Schnee) miterleben.
Einmal schiffte es die ganze Nacht durch, bis unser Iglu-Zelt dem Regen nicht
mehr standhalten konnte und unsere Schlaf- und Rucksäcke pflädinass waren. Als
meteorologisches Tüpfchen auf dem i fing es dann am Morgen danach noch an zu
schneien, bis unser Zelt unter einer stattlichen Schneeschicht ächzte.
Wetter-Zustände, bei denen man nicht mal seinen Hund vor die Türe lässt, geschweige
denn sein Pferd.
Die nächsten vier Tage konnten uns solche Wetterkapriolen nichts mehr anhaben.
Dann sassen wir nämlich wieder in einem gemütlichen 4-er Abteil der
Transsibirischen Eisenbahn und ratterten die verbleibenden 6‘266 km nach
Moskau, vorbei am Baikalsee und den unendlichen sibirischen Wäldern. Bäume,
Bäume, Häuschen, Fluss und nochmals Bäume waren auf den Zugfenster-Kanälen 1
bis 99 für die nächsten Tage zu sehen. Komischerweise verging die Zeit dennoch wie
im Flug (nicht wie im Zug). Es wurde fleissig Schach gespielt, Bücher gelesen,
Fertigkaffee bis zum Händezittern getrunken und mit Abteils-Nachbarn
geplaudert, so dass wir bei der Einfahrt in den Moskauer Bahnhof fast etwas
wehmütig aus dem Zug stiegen.
Die grösste Landweg-Strecke zurück in die Schweiz haben wir nun hinter uns und
es beginnt bereits der letzte Teil unserer Reise, Osteuropa, natürlich by
train.
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Transibirische Eisenbahn mit chinesischer Lok |
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Der Speisewagen mit niedlicher Plastikrose |
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Unsere "Zugbegleiterin", die immer klar verständlich machte, wer der Boss im Wagen ist |
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Przewalski-Pferde. Von denen gibts mittlerweile wieder ca. 2000 Exemplare und sind noch die einzigen Wildpferde der Erde |
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Jurten-Innenansicht. Im Vordergrund ein Topf mit Stutenmilch und eine Schale Käse aus Yakmilch |
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Das Zeitalter der Melkmaschinen wird hier wohl noch lange nicht beginnen |
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Christelle und Melanie freuen sich auf einen neuen Reit-Tag |
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Wer hätte das gedacht. Edelweiss gibt's nicht nur in den Alpen |
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Jeden Abend dasselbe Prozedere: Kleidertrocknen am Feuer |
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Grau in Grün - mit dem Sowjet-Bus back to nature |
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Unsere Gruppe bei Tisch... |
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... und beim posen à la Korea (man beachte Roger in seinen Reiterhosen...) |
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Melanie führt das Feld an |
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Wenns mal zu kalt wird, nimmt man das 5 Tage alte Kalb halt in die Jurte |
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Egal wie spärlich die Einzimmer-Wohnung eingerichtet ist, auf den Fernseher verzichtet man trotzdem nur ungern. Kommt uns irgendwie bekannt vor... |
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Klein, aber kritisch |
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Roger spielt gegen den Schachmeister von Wagen 4 |
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RoMe vor ihrer rollenden Wohnung |